22 Juli, 2005

Galante Autofahrer

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Letzte Woche ist mir was äusserst Blödes passiert. Ich war in der Früh mit dem Auto in der Stadt unterwegs, um mir neue Kontaktlinsen zu kaufen. Auf dem Rückweg ins Büro steh ich an einer grossen Kreuzung auf der Abbiegespur und plötzlich ruckelt das Auto so komisch. Ich will wegfahren und … nichts geht mehr.

Um meine Lage zu verdeutlichen, die Kreuzung ist ungefähr vergleichbar mit einer Kreuzung am Gürtel in Wien, sagen wir mal, dort wo die Mariahilferstrasse in den Gürtel mündet. Das heisst, es ist 10 Uhr in der Früh und es sind viiieeelllleee Autos unterwegs.

Wie gesagt es ist grün und mein Auto bewegt sich nicht. Zu meiner Überraschung warten die Autos geduldig hinter mir und keiner hupt. Es wird wieder rot und ich steige aus dem Auto aus. Ich hab keine Ahnung was ich jetzt tun soll.

Aus dem Auto hinter mir steigen zwei Männer aus und fragen mich freundlich, ob sie mir helfen können. Die Sache ist die, dass seit dem Vortag die Bezinanzeige leuchtet. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass das der Grund sein soll, dass das Auto nicht mehr fährt. Normalerweise sind doch mindestens 10 Liter Reserve Benzin im Tank und wir fahren genau 1.5 km jeden Tag in die Arbeit und retour. Es ist daher äussert unwahrscheinlich, dass das der Grund sein soll, das das Auto nicht mehr fährt.

Bezindose.jpgDie beiden Männer nehmen die Sache in die Hand, winken die anderen Autofahrer weiter, und schieben mein Auto von der Abbiegespur auf die Verkehrsinsel daneben. Dann bringen sie mich zu nächsten Tankstelle. Dort kaufe ich eine 5 Liter Blechdose, und nicht wie erwartet einen Kanister, um horrendes Geld, und fülle Benzin ein. Meine beiden Retter in der Not warten braverweise auf mich und führen mich wieder zum Auto retour.

Dort angelangt versuchen sie das Bezin aus der Dose in den Tank zu bekommen, allerdings ist der Einfüllstutzen der Dose zu kurz und das Benzin rinnt am Auto entlang und nicht in den Tank hinein. Da die beiden Männer in der Nähe arbeiten, fährt der eine zurück in seine Firma und holt einen Trichter. Der andere bleibt derweil bei mir und wir halten einen netten Tratsch über die Schönheiten des australischen Kontinents.

Mit dem Trichter funktioniert dann das Einfüllen ganz gut, obwohl auch hier das Benzin auf die Strasse spritzt und fast die Hosen meiner Retter dreckig macht. Zu meiner Freude war es wirklich das Benzin und kein anderes Gebrechen und das Auto springt sofort an. Ich hätte nämlich nicht gewusst, was ich dann machen soll, da ich kein Handy besitze und ich nicht einmal die Nummer vom Büro auswendig weiss.

Meine beiden galanten Retter stellen mir die Dose in den Kofferraum, sagen, ihre Hilfe war doch selbstverständlich, machen meine Autotür hinter mir zu, winken mir und ich fahre total erleichtert zur Tankstelle.

Ich glaube, wenn mir das in Wien passiert wäre, hätte es sicher ein Hupkonzert gegeben und ob die Wiener so galant und zuvorkommend gewesen wären, wage ich zu bezweifeln. Die Australier können vielleicht nicht gscheid autofahren, aber sie sind wirklich freundlich und hilfsbereit. Ein Hoch auf meine zwei galanten Retter in der Not.

Brot-Zeit

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Mit Brot in einem anderen Land ist es ja immer so eine Sache. Schwarzbrot dürfte etwas ziemlich Deutsches sein, da es meiner Erfahrung nach wirkliches Vollkornbrot nur in Österreich, Deutschland und in der Schweiz gibt.

Vollkornbrot zeichnet sich für mich dadurch aus, dass es erstens nicht nur aus Weizenmehl besteht, zweitens irgendwelche Körndel hat, drittens eher dunkel ist und viertens eine Kruste hat. Letzteres würde ich aber auch bei Weissbrot erwarten.

Australier haben aber eine andere Vorstellung von Brot. Wenn sie an Brot denken, dann ist der Brotlaib viereckig, oft schon in Scheiben vorgeschnitten, hat keine Kruste, ist natürlich aus Weizenmehl und schaut im Prinzip wie Toastbrot bei uns aus. Das ganze ist, weil es ja keine Kruste hat, eine ziemlich weiche und eher flauschige Angelegenheit.

Letztens waren wir einkaufen und haben so ein Brot - für Toasts - in den Einkaufswagen gelegt und im Laufe des Einkaufs andere Sachen draufgelegt. Als wir dann bei der Kassa die Sachen auf’s Förderband gelegt haben, war das Brot flachgepresst wie eine Flunder!

Manchmal bieten sie sogenanntes Wholegrain-Bread an, aber dieses Vollkornbrot ist nur um eine Nuance dünkler als normales Weissbrot und selbstverständlich auch viereckig, vorgeschnitten und flauschig. Daher haben wir uns total gefreut, als wir per Zufall ein Roggenbrot mit Kruste gefunden haben. Es ist zwar nicht ein wirklich dunkles Brot, eher wie ein überdimensionales Wachauerweckerl, aber der Mensch freut sich.

16 Juli, 2005

Bezahlen in einem Lokal

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Geht man in Perth in ein Lokal läuft dies servicemässig ein bisschen anders ab.

In einem Pub beispielsweise bestellt man an der Bar seine Getränke und sein Essen und bezahlt sofort. Im günstigsten Fall wird einem seine Bestellung an den Tisch gebracht oder man wartet an der Bar auf seine Getränke und wird dann aufgerufen, um sich sein Essen ebenfalls an der Bar abzuholen.

In Restaurants bestellt man wie gewohnt am Tisch und ein Kellner kümmert sich um einen. Wenn es allerdings ums Bezahlen geht, muss man aufstehen und die Kasse finden. Das ist manchmal nicht so leicht, weil die Kasse nicht immer gleich erkennbar ist und sie sich nicht immer neben der Eingangstür befindet. Nicht nur einmal haben wir den Kellner fragen müssen, wo denn die Kasse eigentlich ist.

Wenn man mit mehreren Leuten essen geht, haben sie auch hier die äusserst mühsame Angewohnheit, nur eine Rechnung pro Tisch zu verrechnen. Daher beginnt nachher immer die mühseelige Auseinanderdividiererei der Rechnung. Einer steigt dabei meist immer schlecht aus. Aber die Restaurants machen das wohl, weil sie ja sowieso kein Trinkgeld bekommen, also ist ihnen das wohl ziemlich egal.

Trinkgeld

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Hier in Australien ist es nicht üblich Trinkgeld zu geben. Weder in Lokalen, noch bei Taxis oder beim Friseur.

Wie wir das erste Mal in einer Bar waren, wollte ich dem Bartender ein Trinkgeld geben, der hat sich aber glatt geweigert es anzunehmen und hat mir auf den Cent genau herausgegeben.

Mittlerweile finden wir das ganz angenehm. Du brauchst dir nie überlegen, ob und vor allem wieviel Trinkgeld du gibst, weil es hier einfach niemand erwartet. Somit kann es dir auch nicht passieren, dass du zu wenig oder übermässig viel Trinkgeld gibst. Ist ja vor allem in einer fremden Währung oft gar nicht so leicht, schnell den richtigen Prozentsatz herauszufinden. Mit Schrecken denke ich da noch an die Euro Einführung bei der die Kellner bei mir entweder ziemlich schlecht oder ziemlich gut ausgestiegen sind.

Positive Verstärkung beim Autofahren

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Heute bin ich durch einen Baustellenbereich gefahren, bei dem man nur 40km/h fahren durfte. Da war eine Anzeigentafel aufgestellt, die einem die Geschwindigkeit anzeigt, mit der man durch die Baustelle fährt.

Da der vor mir so dahin geschlichen ist, bin ich auch brav unter den erlaubten 40km/h gefahren. Und weil die Perther Polizei wohl auf die Wirkung positiver Verstärkung setzt, hat mich die Anzeigentafel gelobt und “Well done” angezeigt.

Ich finde das so süss! Ich werde wohl das nächste Mal wieder so langsam durch eine Baustelle fahren, damit ich wieder gelobt werde. Und da sagt noch einer, dass Lob nicht zu einem besseren Verhalten führt!

Bottleshop

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Will man Bier oder generell Alkohol einkaufen, kann man das nur in sogenannten Bottleshops. Man kann also nicht einfach im Supermarkt eine Kiste Bier kaufen.

Nebenbei bemerkt, gibt es sowas wie eine Bierkiste in Australien nicht. Bier wird generell in 0.3 l Flaschen oder Dosen verkauft und kommt entweder im Sixpack oder in einer Kartonkiste. Hin und wieder findet man ein ausländisches Bier, meist aus Deutschland, in einer normalen, sprich 0.5 Liter Flasche.

Je nach Grösse des Bottleshops findet man eine mehr oder weniger grosse Auswahl an Bieren, Weinen und Spirituosen. Wirklich gut ist, dass jeder Bottleshop einen Kühlraum hat und man daher das Bier bereits gekühlt kaufen kann.

bottleshop.jpgAlkohol ist generell teurer als bei uns. Das geht so gar so weit, dass wir in Wien für eine Flasche australischen Weins (Hardy’s) weniger bezahlen als hier in Australien.

Es gibt auch diese lustigen Bottleshop Drive-Ins (merke hier in Australien gibt es nicht nur Drive-Ins, sondern manchmal auch Drive-Throughs). Man fährt vor, sagt was man will und bekommt das Bier in den Kofferraum geladen.

Dinnerzeit

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Will man in Australien essen gehen, und hat man sich über die Alkohollizenz erkundigt oder im Falle, dass es ein BYO ist, eine Flasche Wein mitgebracht, steht einem gemütlichen Mahl nichts mehr im Wege.

Will man abendessen, also sein Dinner zu sich nehmen, sollte man in den meisten Lokalen vorher anrufen, ob sie einen Tisch frei haben. Weil, nur weil das Restaurant gähnend leer ist, bedeutet das nicht, dass sie einen Tisch für dich haben. Abendessenszeit ist nämlich später als bei uns. Ist es bei uns durchaus üblich sich um 19 Uhr zum Abendessen zu treffen, sind viele Lokale in Perth bis 20:30 noch ziemlich leer.

Letztens sind wir ohne Reservierung in ein sehr nettes Restaurant gegangen. Es was halb acht, fast alle Tische waren leer, aber keiner war frei für uns. Das Lokal hatte eine nette Bar und so haben wir gemütlich Cocktails geschlürft und gewartet, dass ein Tisch frei wird. Um viertel zehn war es dann soweit und wir waren super hungrig und leicht angeheitert. Lange Rede, kurzer Sinn das Essen kam um viertel elf. Unsere Nachspeise haben wir um 11 genossen. Wir waren aber nicht die einzigen, manche haben um elf erst ihre Hauptspeise bekommen. Unnötig zu sagen, dass um halb zwölf das Lokal immer noch bumvoll war.

Im Süden Europas ist es ja auch normal so spät zu essen, aber ehrlich gesagt, ist uns das Essen - so gut es auch war - ziemlich im Magen gelegen.

15 Juli, 2005

BYO - Bring your own

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Wenn man in Australien essen geht, findet man immer wieder Lokale, die ein Schild mit der kryptischen Aufschrift BYO haben. BYO steht für Bring your own. Das bedeutet: “Nimm dir selber etwas Alkoholisches zum Trinken mit”.

Weiss man schon vorher, dass das Lokal, in das man gehen will, BYO hat, kauft man sich einfach eine Flasche Wein und nimmt sie ins Restaurant mit. Im Lokal nimmt der Kellner die Flasche Wein in Empfang, kühlt sie bei Bedarf und schenkt auch immer brav nach. Meistens verlangen sie dafür eine sogenannte Corkage. Zwischen 2 bis 5 Dollar verlangen sie für das Service.

Es ist also durchaus nichts Seltenes, wenn man Leute mit einer Flasche Wein, natürlich ins obligate braune Papiersackerl eingepackt, ins Restaurant marschieren sieht. BYOs sind meist die Lokale, die keine Lizenz zum Ausschenken von Alkohol haben (siehe mehr zu Alkohollizenzen unter Gebt’s ma a Bier!).

BYO ist etwas typisch Australisches (ich glaube, nur Neuseeland handhabt das auch so.) Für den Gast ist es eigentlich ganz nett, da er erstens den Wein trinken kann, der ihm schmeckt und zweitens ist die Flasche Wein im Bottleshop weitaus billiger als im Restaurant.