Manieren sind ja so eine Sache. Jeder versteht etwas Anderes darunter, jeder ist anders aufgezogen worden und sie sind auch von Land zu Land verschieden.
So sind Manieren auch anders in Australien. Ich will gleich vorausschicken, dass unsere Tisch Manieren sicher nicht dem Elmayer Standard entsprechen, weil es mir herzlich egal ist, ob jemand mit der richtigen Gabel seine Vorspeise ist oder nicht, aber gewisse Standards dachte ich wären universell. Das ist aber nicht der Fall und so kam uns vor allem am Anfang so einiges ziemlich manierenlos vor.
Das ganze könnte ein Problem der englischen Sprache sein oder es ist halt ein Ausdruck der nicht vorhandenen englischen Manieren, das sich in der Sprache ausdrückt. Es gibt nämlich keinen geeigneten englischen Ausdruck für “Guten Appetit” oder für das gut alt österreichische “Mahlzeit”.
Der Ausdruck, der einem Guten Apptetit am nähersten kommen würde, ist “Enjoy your meal” oder kurz “Enjoy”. Das habe ich aber von echten Australiern, sprich nicht Eingewanderten wie meinen Bruder, noch nicht gehört. Ebenso wurde mir gesagt, verwenden manche das französische “Bon Appetit”, aber das hab ich schon gar nicht gehört.
Das hat zur Folge, dass sobald das Essen am Tisch steht, jeder einfach zum Essen anfängt. Man wartet auch nicht wirklich, bis alle ihr Essen vor sich haben, aber da will ich mal nicht so streng sein. Das man sein Besteck parallel auf den Teller legt, wenn man sein Essen beendet hat, ist auch noch nicht bis zu jedem Australier vorgedrungen.
Genauso ist es beim Anstoßen. Man stoßt nämlich nicht an. Man bekommt sein Getränk und trinkt einfach. Die Leute rund um uns herum, haben sich daran gewöhnt, dass wir vor dem ersten Schluck eines neuen Getränks anstoßen und “Cheers” sagen, und machen dabei auch brav mit, aber dass man sich dabei in die Augen schaut, ist ihnen einfach nicht beizubringen.
Jemand hat mal zu mir gesagt: Keine Manieren sind auch Manieren. Das mag wohl stimmen. Das Schlimme daran ist nur, dass man sich irgendwann daran gewöhnt hat und sich dann selber dabei ertappt, wie man ohne Muh und Mäh sein Essen in sich hineinschaufelt.

