21 März, 2006
Ankunft in Wien
Wir sind von Perth nach Wien über Dubai mit der Emirates Airline geflogen. Auch diesmal hat sich diese Fluglinie als die günstigste Variante herausgestellt.
Der Flug von Perth nach Dubai verlief problemlos, vor allem da man schon 12 Stunden vor Abflug online einchecken kann und sich die Sitzplätze reservieren kann. Wir haben also die zwei Sitze beim Notausgang ergattert und hatten daher eine angenehme Beinfreiheit. Allerdings muss ich sagen, einen zu dicken Hintern darf man bei diesen Sitzen nicht haben, man ist schon sehr eingezwängt.
In Dubai hat man dann drei Stunden Aufenthalt, die man sich irgendwie im mäßig interessanten Dutyfree vertreiben kann. Der Flug von Dubai nach Wien war dann aber doch recht mühsam, weil wir diesmal normale Sitzplätze hatten und man total aufrecht sitzen musste, um mit den Knien nicht anzustoßen. Mike’s Gardemaße mit 1 Meter 96 sind für’s Fliegen einfach nicht ideal.
Quasi am Weg nach Wien konnten wir schon eine Veränderung der Menschen feststellen. Bis Dubai war noch alles normal, aber in der Maschine von Dubai nach Wien, die naturgemäß hauptsächlich mit Österreichern voll war, haben sich die Leute verändert. Ich habe doch tatsächlich versucht, ein paar Leute völlig harmlos und “australisch” normal anzulächeln und kein einziger hat zurück gelächelt!
Dann sind wir endlich gelandet. Und die erste Person, die ich angesprochen habe, war der Wachbeamte, der die Pässe kontrolliert. Ich habe freundlich gegrüßt, aber der Mann hat mich nicht angeschaut, nichts gesagt, nicht gelächelt, keine Reaktion. Na, wir waren vielleicht geschockt. Das erste was ein Reisender in Österreich zu Gesicht bekommt, ist ein nicht der Sprache mächtiger grantiger Beamter.
Dann haben wir das Gepäck abgeholt und unser Computer hat den Flug - Gott sei Dank - überlebt. Brav wie wir sind, sind wir dann mit dem Computer zu den Zollwachbeamten marschiert, um anzumelden, dass wir aus Australien nach Österreich umziehen. Laut Internet sollte man ein Formular ausfüllen und weil man umzieht, muss man keine Einfuhrumsatzsteuer bezahlen. Der erste Beamte war ziemlich verunsichert von unserem Begehr. Weil eigentlich hat er damit nichts zu tun, das macht der Kollege. Der Kollege ist aber grad beim Mittagessen. Wir haben ihn im Hinterzimmer essen sehen. Also sollten wir warten, bis der fertig ist. Dann hat sich der erste Beamte aber erbarmt und uns gefragt, wann wir den Computer gekauft haben und wieviel er kostet und ob wir noch anderes Gepäck hätten. Da wir das verneint haben, hat er den Kollegen nochmals beim Mittagessen gestört. Dem war das wohl alles viel zu mühsam, wegen einem Computer sein Mittagessen zu unterbrechen und wir konnten auch ohne Formular endlich in die Ankunftshalle durchgehen.
Wir waren die letzten, die endlich raus kamen und wir hatten die größte Begrüßungsgruppe, die wir gesehen haben. Es waren gut 20 Leute mit Plakat und allem drum und dran da. Unsere Freunde und Familien haben sich doch tatsächlich Dienstag Mittag frei genommen, um uns zu begrüßen.
Unser erster Gang war ins nächste Flughafenrestaurant und wir haben uns ein österreichisches Bier und einen weißen Spritzer gegönnt! Aber alles war so aufregend, dass wir gar nicht mehr wissen, wie die geschmeckt haben.
Dann sind wir nachhause in unsere Wohnung, auf die Mike’s Bruder die letzten eineinhalb Jahre aufgepasst hat. Unsere Kisten sind schon vorher angekommen, also hatten wir alle unsere Sachen schon zuhause.
Was sollen wir sagen, als die letzten Leute gegangen sind, und wir totmüde waren, weil wir im Flugzeug nicht schlafen konnten und wir schon über 36 Stunden wach waren, sind wir ins Bett gefallen. Man könnte meinen, wir haben ganz lang geschlafen, aber nein, wir waren beide um halb 4 Uhr morgens putzmunter und konnten es nicht fassen, dass wir schon wieder in Österreich sind.
Auflösung des Lebensmittelpunktes
In den letzten Wochen vor unserer Abreise nach Österreich haben wir nach und nach alles für die Auflösung unseres Lebensmittelpunkts in Australien veranlasst.
Wir haben unser Hausi auf Hochglanz geputzt, die laut Mietvertrag notwendigen Fenster- und Teppichputzer zu uns geholt (rund 70 Dollar für eine Stunde Arbeit, sowohl Fenster als auch Teppichputzer), die Vorräte aus dem Tiefkühler aufgegessen, Unmengen an Spaghetti gekocht, Kleidung aussortiert und Rechnungen abbestellt.
Bei Western Power und Alinta kann man die Rechnung bequem per Onlineformular abbestellen, aber Telstra (Telefon) braucht aus Sicherheitsgründen einen persönlichen Anruf. Wobei man die längste Zeit mit einem Computer spricht, na das ist vielleicht seltsam. Das mit dem Internetkonto stornieren hat nicht ganz so glatt geklappt, weil Telstra die ADSL Leitung vor der Telefonleitung abgedreht hat, wohl eine andere Abteilung, und wir das letzte Wochenende ohne Verbindung da gesessen sind, was so natürlich nicht geplant war. Also Vorsicht, falls wer jemals etwas mit Telstra zu tun hat, die sind ziemlich eigen.
Nachdem wir unsere Sachen in vier Häufchen sortiert haben - “kommt sicher mit” - “vielleicht” - “kommt in Kleiderspendencontainer” - “wird weggeworfen” - haben wir uns Kisten von einem Flugzeug-Übergepäck-Transporteur geholt. Das ist ziemlich praktisch. Man kann auch Koffer und Taschen aufgeben. Der Preis ist relativ moderat, 7 Dollar pro Kilo und ein paar Gebühren für Versicherung, Kerosin und Flughafentaxe. Auf alle Fälle ist das viel günstiger als Übergepäck im Flugzeug zu bezahlen. Das hatten wir bei der Hinreise und wir haben für 5 kg stolze 250 Euro bezahlt.
Na, was soll ich sagen. Trotzdem dass wir Unmengen Zeug nicht mitgenommen haben - die Entscheidung war, wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, nicht gerade leicht - sind wir dann auf knapp 100 kg gekommen. Allerdings muss man dazu sagen, dass wir im Flugzeug unseren Computer mitgenommen haben und der 15kg wiegt und wir daher nur 25kg Boardgepäck gemeinsam hatten. Das Ganze ging so schnell, dass die Kisten vor uns in Wien angekommen sind.
Die letzten Tage haben wir versucht, Perth so viel wie möglich zu genießen. Aber wie es nun mal so ist, am Schluss hat man immer noch so viele Dinge, die man gerne getan oder gesehen hätte, aber die Zeit wird einem zu kurz.
…aber wir kommen wieder, keine Frage!
Falls jemand mal etwas aus Perth nach Europa oder sonst wohin schicken will, hier ist die Homepage des Übergepäcktransporteurs: exportair.com.au
Australisches Resumee
Unsere Zeit in Perth ist abgelaufen, wir kehren wieder nach Österreich zurück. Zwar gilt unser Visum noch für ein paar Jahre, aber unser Arbeitsvertrag sah vor, dass wir ein Jahr bleiben und jetzt sind wir eineinhalb Jahre geblieben.
Jetzt ist es wohl Zeit ein Resumee über unsere Zeit in Australien zu ziehen.
Am Anfang ist es uns, wie ihr ja in unseren Berichten, gelesen habt, nicht so leicht gefallen, uns an Australien zu gewöhnen. Unsere Vorstellungen und Erwartungen von Australien waren doch zu unterschiedlich vom “wahren” Australien. Wir haben uns eine Großstadt im europäischen Sinn vorgestellt, die denselben Rhythmus und Flair wie so eine hat. Wie waren wir erstaunt, dass Perth eigentlich eine Kleinstadt ist, die halt eine sehr große Ausdehnung hat. Wir konnten am Anfang mit den vielen kleinen Hausis in den vielen großen Suburbs so gar nichts anfangen und wie sehr haben sie uns am Schluss gefallen.
Alles war anders als erwartet. Das Wetter, das Essen, die Gepflogenheiten, die Australier, der Verkehr.
Ja, das Wetter. Das war eine der größten Enttäuschungen überhaupt. Wir sagen euch gleich, außer im Jänner und Februar ist nichts mit Hitze und warm. Zumindest war das so in den letzten 18 Monaten. Die Australier haben uns aber immer versichert, dass das Wetter so nicht normal ist und es eigentlich vieeelllll wärmer ist. Vor allem im Winter war es ziemlich kalt, weil die Häuser keine richtige Heizung haben. Aber auch im Sommer haben wir gefroren, da die Australier die Klimaanlage ein paar Grad niedriger einstellen, als dass es für einen Mitteleuropäer angenehm wäre. Ehrlich gesagt, haben wir das meiste im Sommer im Büro gefroren, da den Australiern immer so heiß war
Das Essen ist natürlich auch anders und schmeckt auch anders. Wir haben z.B. das Wurst essen in Australien bald aufgegeben. Pink gefärbte Würstel ohne Geschmack sind nicht so unsere Sache. Auch dass alles immer fettfrei sein muss, ist gewöhnungsbedürftig. Fettfrei heißt ja auch immer irgendwie geschmackfrei. Essen gehen kann man dafür gut in Perth, obwohl die Preise dafür nicht immer günstig sind. Und wir haben das beste Kebab der Welt kennengelernt. Das findet man bei Altos auf der Rokeby Road in Subiaco - Kebab mit allem drum und dran, also Lammfleisch, alle Salate, Zwiebel, Ei, Käse und Chilli Sauce. Ansich sind die Kebabs in Australien eher so wie Gyros, also nicht mit Weckerl, sondern mit einer Art Pita Bread, aber sooooooo lecker!!!!!!!!!!!!!!
Woran wir uns im positiven Sinn gewöhnen mussten, ist, dass die Australier einfach super freundlich und hilfsbereit sind. Wir haben kein einziges Mal etwas Blödes gehört, dass wir Ausländer sind und alle haben unser anfängliches Englisch Gestammel freundlichst ertragen. Mir fallen nur zwei nicht allzu freundliche Leute ein und das war einerseits die Bankbeamtin in Leederville, die war zwar nicht wirklich unfreundlich, aber sehr hantig und der Trafikant in Leederville, der wie ein typisch grantiger Wiener Trafikant ausgeschaut hat und weder Muh noch Mäh sagen kann, wenn man sich seine Zeitung holt. Aber das war’s auch schon.
An den Verkehr in Perth konnten wir uns nur langsam gewöhnen. Da die Perthianer nur doppelspurige breite Strassen gewöhnt sind, schauen sie mal pinzipiell nicht in den Rückspiegel und schleichen mit ihren Automatikautos dahin. Wir wissen auf alle Fälle jetzt, dass wir KEIN Automatikauto mehr wollen, wir wollen die Gänge rein knallen und überholen können, wenn uns danach ist.
Wir haben in den letzten 18 Monaten unheimlich viel gelernt. Nicht nur jobmäßig, sondern vor allem persönlich. Wir mussten unsere Einstellungen und Erwartungen ändern, haben unsere Grenzen kennengelernt und wissen jetzt viel mehr was uns im Leben wichtig ist. Wir haben auch unsere Beziehung vertieft und gelernt, dass man an einem Strang ziehen muss und nicht alles alleine schaffen muss.
Wir bereuen nicht ein kleinstes Bisschen, dass wir uns auf das Abenteuer Australien eingelassen haben!
Es gibt noch so viel über Australien zu berichten, wo wir noch nicht die Zeit gefunden haben, darüber zu schreiben. Also keine Sorge, unser Repertoire über australische Eigenheiten ist noch lange nicht erschöpft und wir werden nach und nach alles aufschreiben, was uns noch so einfällt. Außerdem werden wir über unsere “neuen” Erfahrungen im alten Österreich berichten. Die österreichischen Eigenheiten sind sicher genauso spannend/eigen/seltsam wie die australischen.