22 Oktober, 2005

Australische Freundlichkeit

Dieses Mal möchte ich über die australische Freundlichkeit berichten. Für die Australier ist Freundlichkeit gegenüber Fremden etwas Selbstverständliches. Vielleicht fällt es uns als Österreicher, die an das Wiener “Grantltum” gewohnt sind, deshalb so auf.

Es ist uns noch kein einziges Mal passiert, dass ein Verkäufer oder Beamter oder sonst wer, unfreundlich war. Vielleicht sind nicht alle top motiviert, aber nie unfreundlich. Naja, einzige Ausnahme war ein Türlsteher in einem Nachtclub, aber Türlsteher sind wohl auf der ganzen Welt ein eigener Schlag und nicht als die Regel zu sehen.

Es hat auch noch jeder versucht unser sicher nicht als perfekt anzusehendes Englisch zu verstehen und uns zu helfen. Keiner hat uns das Gefühl gegeben, dass unser ausländisches Gestammel zu mühsam für ihn ist.

Fasziniert hat uns auch, dass Verkäufer in einem Geschäft überhaupt kein Problem damit haben, wenn sie ein Produkt nicht haben, das du suchst, dich mit genauen Wegplan in ein anderes - konkurrierendes - Geschäft zu schicken, von dem sie glauben, dass diese das gesuchte Stück verkaufen. Glaubst Du, dass in Österreich, dich ein Mitarbeiter, sagen wir mal vom Niedermayer, zum Saturn schickt, dir sogar einen Anfahrtsplan aufzeichnet, nur weil er das Headset nicht hat, das du möchtest??

Ist es dir in Wien schon mal passiert, dass du an einer Polizistin vorbeigegangen bist, du sie angelächelt hast und sie hat zurück gelächelt??

Am Anfang hat mich es ein bisschen irritiert, dass sich alle sofort entschuldigen, wenn sie dir im Weg stehen, sagen wir mal vor dem Kühlregal im Supermarkt. Sie entschuldigen sich sogar, wenn du ihnen im Weg stehst!

Bus fahren ist auch eine sehr freundliche Sache. Der Busfahrer grüßt einen freundlich und jeder sagt “Thank you” und “Bye”, wenn sie aus dem Bus aussteigen. Am Anfang sind wir ja öfters mit dem Bus gefahren und an einem Abend ist der Busfahrer nicht bei der Busstation stehen geblieben, sondern näher zu der Straße, wo wir hin wollten, damit wir nicht so weit gehen müssen! Ich bin ja als Schülerin acht Jahre mit dem Bus gefahren, aber so was ist mir noch nie passiert.

Sehr freundlich sind auch die Mitarbeiter der Schnellbahn. Obwohl wir zuwenig für’s Ticket bezahlt haben, hat uns der Kontrolleur nur freundlich darauf hingewiesen, dass wir nach Fremantle 4 Zonen und nicht 1 Zone bezahlen müssen und dass wir das bei der Retourfahrt berücksichtigen sollen. Also, ich weiss ja nicht, ob Wiener Tramway Kontrolleure so nett mit (anscheinenden) Touristen umgehen.

Ich könnte ja noch mehr Beispiele der australischen Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft aufzählen (über meine Rettung in der Not, als mir das Benzin ausgegangen ist, habe ich ja schon erzählt), aber es kommt immer auf dasselbe hinaus.

Die Aussies sind einfach von sich aus überaus freundlich und sie müssen sich offenbar gar nicht dazu anstrengen. Wir können nur sagen, die Österreicher könnten sich da ein großes Scheibchen abschneiden!

1 Comment »

  1. Oh ja! Das war einer der Gruende, warum ich nach meinem ersten Urlaub hier in Australien im Flugzeug geheult habe wie ein Schlosshund. Die Australier haben schon damals irgendwie mein Herz gebrochen. Damals habe ich bei meinem damaligen Freund (heutigem Ehemann) gewohnt und an seinem Geburtstag bin ich schon zeitig in der Frueh eine Geburtstagstorte fuer ihn kaufen gegangen (ca. eine halbe Stunde fuer einen Weg und er hat noch geschlafen, als ich schon wieder zurueck war). Ich wanderte also die Strasse entlang zum Supermarkt und da waren Leute auf der anderen Strassenseite, die haben einfach zu mir rueber gewunken und “hello, how are you” gerufen. Ich war erst sehr verwundert und hab mich sogar umgedreht ob die mit wem anderen reden, aber da nur ich da war, mussten die wohl mich gemeint haben. Hab also zurueckgewunken und “thanks, great” gerufen. Erst als ich dann von noch anderen (autowaschenden und aufkehrenden) Leuten freundlich gegruesst wurde, wusste ich, dass das hier anscheinend so Gebrauch ist. Also fing ich auch an, andere zu gruessen und sie zu fragen wie’s denn so geht. Macht Spass und bringt mir auch heute noch ein Laecheln der Wohltat. Nein, in Wien gruesst man doch nur den, den man kennt und wenn man einmal gut gelaunt ist und freundlich sein will, bekommt man nur skeptische Blicke, kein “hallo”! Wenn ich mich an all die grantigen Blicke in der Wiener U-Bahn erinnere, dann bin ich so froh, hier zu leben!

    Kommentar by Susi — 4 November, 2005 @ 5:38 am

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